Wanderath

Inhalt

  • Zweitausend Jahre Ansiedlung in Wanderath
  • Unser Dorf soll schöner werden
  • Da, wo Wanderath besonders schön ist
  • Verschiedene Ansichten von Wanderath gestern und heute
  • Die Entwicklung von Wanderath
    - Das Amihaus und der Reichsarbeitsdienst
    - Das Landschulheim
    - Die Fabrik in Wanderath
    - Unternehmer in Wanderath
    - Wanderath aus der Vogelperspektive
    - Die Kochschule und die Landwirtschaftschule
    - Bombenabwurf in Wanderath
    - Das Niederbaarer Heiligenhäuschen
    - Lichtmeßkirmes
  • Das Jugendheim
  • Die Pfarrkirche St. Valerius in Wanderath
  • Die Schule in Wanderath
  • Kindergarten Wanderath
  • Der Gemeindebulle oder Heens
  • Die älteste Einwohnerin von Wanderath
  • Volkstanzgruppe Wanderath
  • Das RWE - Bildungszentrum
  • Gefeiert wurde und wird in Wanderath zu vielen Anlässen
  • Dat woore noch Zeite
  • Mach mit, Sing mit
  • Die Sütterlinschriften
  • Die Feldarbeit früher
  • Was sonst noch geschah
  • Wir gratulieren
  • Ein stiller Gruß

    Zweitausend Jahre Ansiedlung in Wanderath

    von Pfarrer Aloys Richter

    Die Überschrift ist etwas reißerisch gewählt, aber sie ist durchaus zu rechtfertigen. So wollen wir eine kurze Rückschau halten über die Besiedlung im Bereich des heutigen Dorfes Wanderath von der Römerzeit bis heute.

    I. Die Besiedlung von Wanderath in der Römerzeit.
    1. Allgemeines


    In den Jahren 58-50 vor Christus eroberte Julius Cäsar Gallien und schob die römische Grenze bis zum Rhein vor. Die Versuche der Römer, weiter bis zur Elbe vorzudringen, scheiterten, besonders durch die verheerende Niederlage in der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n.Chr.
    Auf dem linken Rheinufer bildete die römische Verwaltung zwei Provinzen, einmal Obergermanien, Germania superior oder Germania I mit dem Vorort Mainz und dann Untergermanien, Germania inferior oder Germania II mit dem Vorort Köln. Die Grenze zwischen beiden Provinzen soll der Vinxtbach gewesen sein, so dass unsere Gegend im Grenzgebiet zwischen beiden Provinzen lag.
    Die Römer sicherten die Rheingrenze durch Kastelle, besonders am Rhein. Das Hinterland wurde planmäßig erschlossen und die Bevölkerung romanisiert. Handel und Gewerbe blühten, da das Land durch viele Römerstraßen durchzogen war. Man vermutet für die damalige Zeit ein Klimaoptimum, das Klima hat sich aber später verschlechtert und war eine der Ursachen der Völkerwanderung, in der die germanischen Stämme auf der Suche nach Land ruhelos durch Europa zogen. Die römischen Straßen hatten feste Steinunterlagen und waren zu jeder Jahreszeit zu passieren. Auf dem Lande gab es römische Einzelgehöfte, so in Virneburg, Nitz und Wanderath, die sogenannten villa rustica. In Mayen war römische Töpfer- und Steinindustrie.

    In der späteren Römerzeit war auf der Virneburg eine römische Befestigungsanlage, wie die Konstantinausstellung in Trier im Jahre 2007 zeigte. Wer sich einen Begriff von der hohen Wohnkultur der Römer auch auf dem Lande machen will, der besuche das Rheinische Landesmuseum in Trier. Die römischen Straßen liefen meist fast kerzengerade. In unsrer Heimat war die Straße Mayen – Kürrenberg – Boos - Kelberg wichtig, sie hatte eine Abzweigung von Kürrenberg, über Virneburg – Wanderath - Herschbroich -Adenau. Der Custos am damaligen Provinzialmuseum Bonn, Josef Hagen, hat die römischen Straßen der Rheinprovinz erforscht, er hatte einen Vorarbeiter Krämer, der ihm zur Seite stand.

    2. Die Römerstraße Mayen – Virneburg – Wanderath - Adenau

    Ehe Bagger und Traktoren große Erdbewegungen und damit Veränderungen der Erdoberflächen verursachten, waren die römischen Anlagen für Fachleute gut erkennbar. Und so schreibt Hagen über die Straße Kürrenberg - Adenau: „Am Beginn des Mayener Hinterwaldes geht südlich von Kürrenberg ein alter Weg nach Nordosten ab. Bis Virneburg kenn ich ihn durch eigene Begehung. Über die Fortsetzung bis Adenau konnte Krämer berichten. Über den etwaigen weiteren Verlauf in die Eifel sind wir auf Vermutungen angewiesen, da wir dort keine Gelegenheit zu Geländeforschungen hatten. Nach Führung und Anlage ist es eine vorgeschichtliche Straße, die in römischer Zeit weiter benutzt wurde. Zunächst ging es durch den Mayener Hinterwald bei tr. P. 508.8 und H 568.0 vorüber, über die Blumenrather Heide nach Virneburg. An der Abzweigung liegen gleich südwestlich Kürrenberg römische Gebäude und früh römische Gräber. Weiter begleiten diesen Zug hallstattzeitliche und römische Hügelgräber.

    Auf der Blumerather Heide sind mehrere z.T. große Grabhügel. In Virneburg gibt es römische Gebäude und Gräber. Weiter geht es an Freilingen (Krs. Adenau) und Wanderath vorbei. In den Gemarkungen beider Orte sind römische Bauten und Gräber festgestellt worden; in Wanderath liegt ein römischer Gutshof. Die weiteren Richtpunkte sind Herresbach, auf deren Feldfluren Krämer vielfach römische Scherben und Ziegel fand. Und Herschbroich, wo viele Hügelgräber sind und sich vielleicht ein römischer Straßenposten befand. Bei H 546.0, im Schnittpunkte unsres Weges mit der sogenannten Kohlstraße, stehen weit verstreute römische Bauten an.“1

    Soweit das Zitat aus dem genannten Buche. Zur Ergänzung kann ich hinzufügen; Rudolf Thelen aus Herresbach zeigte mir dieser Tage einen großen Grabhügel im Distrikt „Heckbüsch“, der aber durch die Waldarbeiten stark abgeflacht ist. Ebenso fand der Schäfer Alois Görgen, ebenfalls aus Herresbach, vor Jahrzehnten im „Kirchenseifen“ oder „Kirchenwies“ römische Krüge und Urnen, die aber verschollen sind.2 Weitere Grabhügel, aber nicht direkt an der römischen Straße gelegen, sind einmal ein fast zugewachsener Hügel, der nur noch wenigen bekannt ist, im Distrikt „Haselbüsch“ und die eingeebneten Grabhügel an der Bierschbacher Mühle, über die wir eine kurze Notiz in der Trierer Zeitschrift, Beiheft 16, Jahrgang 1993, auf Seite 209 finden.

    1 Hagen,Römerstraßen 2 .Bonn 1931.Seite 296
    2 Freundliche Mitteilung von Frau Margarete Görgen


    3. Das Römerhaus in Wanderath

    Bild rechts:
    Skizze des Römerhauses, angefertigt durch Dechant Schneider

    Hierzu schreibt die Oberlehrerin Maria Bungarten, Wanderath: „... fest steht, dass in Wanderath unterhalb des heutigen Jugendheimes ein römisches Landhaus gestanden hat. Im Jahre 1912 begann Monsignore Dechant Schneider mit einem seiner Freunde im unteren Teil des Pfarrgartens zu graben. Dieses Gartenstück war schlecht bebaut und wenig ertragreich. Durch besseres Umgraben suchte er dem Übel abzuhelfen. Bald aber zeigte sich, dass der Spaten immer wieder auf Steine stieß. Einige Andeutungen in der Pfarrchronik behaupten, sie stammten von einem alten Kloster, das einmal hier in Wanderath gestanden habe. Dechant Schneider bewies durch seine Ausgrabungen und Funde, dass die Mauern von einem römischen Landhaus stammten, deren Stallungen bis in den Pfarrgarten lagen. Er erzählte mir wörtlich: “Wir gruben weiter, stießen dabei auf eine Mauer, die wohl gut einen halben Meter breit war und bis zum Ende des Pfarrgartens hinunter auf den kleinen Hügel nach Niederbaar zu verlief. Auf diesem Hügel fanden wir dann die Grundmauern eines alten römischen Landhauses, bei dem man auf der angegeben Zeichnung acht Räume erkennen konnte. Die Zimmer 4 bis 8 waren große Wohn- und Schlafräume, 1 bis 3 Küche, Bad und Toilette. Ein Abflusskanal führte ins heutige Herresbachtal, früher Herresbach genannt, weil er den Herren Grafen von Virneburg gehörte. Stücke von einem Wandfries mit klaren leuchtenden Farben kamen zum Vorschein. Ferner war der Raum 7 durch seine Bodenplatten als ein besserer Raum zu erkennen. In den einfacheren Räumen dienten Ziegelsteine oder Basaltsteine als Bodenplatten. Ich ließ sie beim Bau der Küsterwohnung an der Frontseite in mittlerer Türhöhe einmauern. Die Mauern des Landhauses liegen bis zum Keller der Küsterwohnung. Da hörten sie auf. Aber Teile der Mauern ließ ich einbauen am Haupteingang des Jugendheimes. Die römischen Ziegel sind genau zu erkennen (siehe Abschnitt Jugendheim). Beim Verputz blieben diese Teile frei. Ferner fanden wir römische Lampen, Vasen und Krüge und viele römische Münzen. Einige dieser Sachen stehen heute noch im Keller des Jugendheimes. Alle Nägel aus der Römerzeit hat mir ein Soldat aus Bayern im letzten Krieg weggeworfen. Er meinte hinterher, als ich ihn zur Rede stellte, er sei von Beruf Schmied und könnte bessere machen. Durch einen Landeskonservator aus Bonn ließ ich die Grabungen untersuchen, er bestätigte meine Erfahrungen und bejahte meine Annahmen, dass es sich um ein ehemaliges römisches Landhaus für einen römischen Offizier gehandelt haben muss. Die Römer müssen wohl fluchtartig das Land verlassen haben. Die Mauern haben lange hier in Wanderath gestanden. Er berichtet weiter: Ich habe einmal den alten Peter Freund aus der Gastwirtschaft hier gefragt, dieser erzählte mir, dass in seiner Jugendzeit die Mauern noch zu sehen waren. Um das Land aber nutzbringend verwerten zu können, habe man sie abgebrochen und an den Abhang unterhalb, wo heute die Hecke steht, geschüttet. Ich grub dann auch dort und fand seine Aussagen bestätigt. Alte Mauerreste aus derselben Zeit kamen zum Vorschein. Heute ist alles mit Gras und Hecken überwuchert, aber wenn man wieder graben würde, käme alles wieder zum Vorschein.“1

    1 Manuskript Maria Bungarten, aus der Chronik Wanderath, Machinenschrift

    Soweit Maria Bungarten.

    Leider sind im Laufe der Jahre außer eine Kiste Scherben die römischen Überreste verschwunden. Leider auch die Münzen, sie waren wohl, wie man an den meisten römischen Münzen in den Museen sehen kann, klein und unscheinbar. Als ich nach Wanderath kam, habe ich mich vergeblich bemüht, noch Münzen zu finden. Hier zeigt sich, dass alles, was nicht in öffentlichen staatlichen oder kirchlichen Museen liegt, im Laufe der Zeit untergeht. Trotz voriger Benachrichtigung der Behörden wurden beim Bau der Kanalisation durch die römische Anlage Gräben gezogen.

     

    Blick auf das Wochenendgebiet

    4. Eine römische Begräbnisstätte in Wanderath

    Bei Erdarbeiten neben dem damaligen Haus Schäfer, heute Hauptstrasse Nr. 12 um 1960, entdeckte man eine römische Begräbnisstätte. Der Fund wurde nie untersucht, wohl weiß Alfred Schäfer noch einige Einzelheiten: 2 Schiefertafeln, zwischen 50cm und 100cm lang, steckten senkrecht in der Erde, darüber war eine Schieferplatte gelegt, und in dieser Grabkammer fand man eine Urne, ziemlich klein. Sie kam in Privatbesitz nach Quiddelbach, über den Verbleib ist mir nichts bekannt. Vermutlich war darüber ein Grabhügel aufgerichtet, der aber längst verschwunden war. Daneben war eine zweite Grabkammer, die aber leer war. Vermutlich hatte man sie früher einmal entdeckt und ausgeräumt. Diese Begräbnisstätte gehörte sicher zu der villa rustica, dem römischen Landhaus.

    5. Die Sage von den Tempelherren.

    Aus dieser römischen Besiedlung entstand dann die Sage von dem Kloster der Tempelherren. Man findet vielerorts, dass die Reste römischer Besiedlungen im Volksmund die Meinung aufkommen lassen, hier habe ein Kloster der Tempelherrn gestanden, also jenes Ordens, der nach der Meinung der Leute von Geheimnissen umwittert ist. Der Orden wurde vermutlich wegen seines Reichtums auf Druck des französischen Königs auf dem Konzil von Vienne 1312 aufgelöst. (Dies geschah an einem Freitag, den 13.; daher stammt, dass Freitag, der 13. ein Unglückstag ist. Anmerkung Peter Gerhards) Der Großmeister wurde nach einem Schauprozess hingerichtet und der Besitz konfisziert. Noch heute wird in modernen Romanen und Filmen über den Orden spekuliert. So heißt es in der Gründungssage von Wanderath: Im Mittelalter standen in Wanderath zwei Klöster, ein Kloster der Tempelherren und ein Frauenkloster. Nach den Fundamenten hatten die Klöster einen beträchtlichen Umfang. Gegenwärtig sind leider keine Spuren der Fundamente mehr zu entdecken. Die Kirche war Eigentum der Tempelherren. Nach der Auflösung des Ordens benutzten die Grafen von Virneburg die Kirche als Jagdkapelle.

    6. Rückblick.

    All das ist nie wissenschaftlich von Fachleuten erforscht worden. So wissen wir nicht, aus welchem Jahrhundert die römischen Anlagen stammen und wann und warum sie aufgegeben werden mussten. Wurden die Bewohner durch germanische Eindringlinge vertrieben oder zogen sie freiwillig und rechtzeitig weg, als die Römer die Rheinlinie nicht mehr vor den anstürmenden germanischen Stämme halten konnten.
    Um das Jahr 500 ist unser Gebiet fest in der Hand der Franken. Sie siedelten in den Gegenden an, wo die Landwirtschaft günstiger zu betreiben war als in der Hohen Eifel. Möglicherweise gab es einzelne Bewohner, die aber keine Spuren hinterließen. Die Römerstraßen verfielen, der Urwald überwucherte für Jahrhunderte alles.

    II. Wanderath im Mittelalter.

    Wann taucht der Name Wanderath in den Geschichtsquellen auf? Der Name „rath“ bedeutet Rodung und weist damit auf die hochmittelalterliche Rodungsperiode hin, die wohl schon in der Zeit der Karolinger begann und um das Jahr 1000 in vollem Gange war. Damals wuchs die Bevölkerung, die Methoden des Ackerbaues verbesserten sich, und besonders das Klima erreichte ein Optimum. Um das Jahr 1000 werden schon Kleinsiedlungen wie Welcherath, Retterath, Hirten, Langenfeld und Nachtsheim genannt. Viele Dörfer enden auf –rath oder -oth oder –reut, darin steckt der Name Roden, das Neuland wurde durch Rodung aus dem Wald gewonnen. Um das Jahr 1200 liegt wohl das heutige Siedlungsgebiet fest, bestehen die Kerne der heutigen Dörfer, allerdings kommen noch später die Mühlen dazu. Selbst an der hochgelegenen Kohlstraße entstehen Siedlungen, die aber später wegen der Klimaverschlechterung aufgegeben werden. Um das Jahr 1500 sprechen wir von der kleinen Eiszeit.
    Wir finden den Namen Wanderath in den alten Urkunden als „Wantrat“ oder „Wondrot“ und ähnliche Formen. Auch der Name „Wombrechtrode“ ist mit Wanderath identisch. Dann bedeutet der Name Wanderath die Rodung eines Mannes mit Namen „Wombrecht“ oder ähnlich. In manchen heimatkundlichen Büchern wird gern die Jahreszahl 1296 als ältestes Datum für Wanderath genannt, damals habe Erzbischof Rufinus von Mailand ein Ablassprivileg für die „capella Wombrechtrode prope Castrum Virneburg“ erlassen,1 deren Echtheit mit Recht angezweifelt wird, obwohl ein späterer und echter Ablassbrief von 1484 von Erzbischof Johann von Baden einen alten Ablassbrief bestätigt.2 Aber kommen wir zu echten Urkunden und Zahlen, die uns die politische und staatliche Zugehörigkeit von Wanderath berichten.
    Im Jahre 1336 verkauft Graf Robert von Virneburg dem Erzbischof Balduin von Trier nebst eine Reihe anderer Orte auch eine Rente von 2 Malter Roggen und 10 Malter Hafer aus Wamentrade (Wanderath).3 Wanderath gehört also politisch zur Grafschaft Virneburg.
    Ebenso erhält Propst Elias von Münstermaifeld neben andren Orten den Zehnten von Waentrat (Wanderath)4. Nach einem Brief von dem Archivar Dr. Krümmel vom LHAKO an die Gemeinde Herresbach vom 18.3.2003 können wir das Datum des „Haus- und Wirtschaftbuches des Propsts Elias von Münstermaifeld“ auf das Jahr 1324 ansetzen. Wanderath gehört als zum Pfarrbezirk Wanderath in der vom Stift Münstermaifeld gegründeten und seelsorglich betreuten Großpfarrei Nachtsheim. Nachtsheim kann sich später von Münstermaifeld, und noch später kann sich Wanderath von Nachtsheim lösen.

    1 MRR ,IV .551
    2 LHAK 34.269
    3 Iwansky, Geschichte der Grafen von Virneburg, Coblenz 1912, Seite 11
    4 LHAK 144.1427 und Fabricius, Die beiden Karten der kirchlichen Organisation 1450 und 1610. Zweite Hälfte. Bonn 1913, Seite 169.


    Eine dritte Urkunde sei noch erwähnt. 1348 stiftete Graf Robert für die unter der Burg Virneburg errichtete neuen Kapelle eine ewige Messe zu seiner und seiner Vorfahren Seelenheil und bestellt dafür einen Priester, für dessen Unterhalt bestimmt er unter anderem eine Wiese zu Wombrechtrode (Womenraet), die ein Fuder Heu einbringt.1

    1 StAWt-- F US 6 Nr 31


    Das soll fürs Nächste reichen, aber ich möchte da zwei Fragen stellen.

    1. War Wanderath im Mittelalter größer als 1800 ?

    Virneburg und Münstermaifeld beziehen von Wanderath Rente bzw. den Zehnten. Nach der Nachtsheimer Sendordnung von 1463 ist das Einkommen des ewigen Vikars von Wanderath klein, der Pastor von Nachtsheim bezieht neben dem Bischof einen Teil des Zehnten. Also kann in Wanderath nicht allein Kirche und Pfarrhaus gestanden haben, es müssen dort mehrere Höfe bestanden haben, die aber spurlos untergegangen sind.

    2. Warum wurde die Pfarrkirche in Wanderath gebaut?

    In Wanderath steht die Pfarrkirche für ein Kirchspiel, so nennt man eine Pfarrei mit mehreren Filialen, aber neben der Kirche finden wir lange Zeit nur Pfarrhaus und Schule, ähnlich wie den Pfarrkirchen in Kirmutscheid bei Wirft und Hilgerath bei Beinhausen, die auch völlig vereinzelt stehen. Warum wird ausgerechnet in Wanderath von den Grafen von Virneburg die Kirche gebaut? Es gibt da eine Reihe von Antworten:

    I. Da ist die Sage von dem Baumaterial, das man in Oberbaar aufschichtete, das aber nachts nach Wanderath flog, also wanderte. Ähnlich die Sage, dass der Name Wanderath „Wunderort“ bedeute, wohl abgeleitet von der Bezeichnung im Dialekt „Wondert“. Ebenfalls erzählt die Sage, dass die Kirche die Jagdkapelle der Grafen von Virneburg war. Wie gesagt, das sind Sagen ohne jeden Wahrheitsgehalt.

    II. Andere vermuten, in Wanderath sei ein heidnisches Heiligtum gewesen, an dessen Stelle man die Kirche gesetzt hat. Das sind unbewiesene Annahmen.

    III. Allerdings war Wanderath damals nicht von der Hauptstrasse abgelegen sondern lag, wie wir schon hörten, an der alten, schon vorrömischen Straße Kürrenberg – Blumerath – Virneburg – Freilingen – Wanderath - Herresbach. Diese Straße war hoch gelegen und daher auch im Winter passierbar, anders als der Weg durch das versumpfte Eschbachtal, durch das erst seit etwa 1850 eine feste Straße gebaut wurde, die heutige Bundesstraße Mayen - Blankenheim, die B 258.

    IV. Der alte Pfarrbezirk Wanderath lag links der Nitz. Virneburg selbst gehörte lange zum Bezirk Nachtsheim. Die Virneburger Grafen wollten die Kirche Wanderath, die ihre Patronatskirche war, in ihrem Bezirk und nicht etwa in der Herrschaft Herresbach oder in dem zum kurkölnischen Amte Nürburg gehörenden Dörfer Drees oder Nitz.
    Die oben gestellte Frage, warum die Pfarrkirche ausgerechnet im kleinen Wanderath und nicht in einem größeren Ort errichtet wurde, konnte bisher nicht gedeutet werden. Sie gab aber Anlass zu den eben erwähnten Sagen und Deutungen.

    Damit möchte ich das Kapitel Wanderath im Mittelalter abschließen. Man könnte noch hinzufügen, dass der Name des kleinen Weilers Wanderath auch in den Akten des Reichskammergerichtes auftaucht, besonders in dem dauernden Streit zwischen den evangelischen Grafen von Löwenstein - Wertheim- Virneburg und dem Erzbischof von Trier wegen der Jurisdiktion, der kirchlichen Oberhoheit, in der Pfarrei. Bekanntlich wollten die Wertheimer Grafen in der Grafschaft die Reformation einführen und beanspruchten als evangelische Landesherren die Jurisdiktion. Ganz stark eskalierte der Streit, als Trier durch Mayener und Monrealer Schützen den Leichnam der in der Kirche Wanderath begrabenen evangelischen Frau des Amtmannes Hilgers exhumieren ließ.

    III. Wanderath in neuerer Zeit

    Hier könnten wir eine Unmenge von Material beitragen, aber das übersteigt meine Möglichkeiten und auch den Platz in diesem Artikel.
    Ich beschränke mich auf einige große Linien. In den Jahren 1794 - 1815 war das linke Rheinufer von Frankreich annektiert, Wanderath kommt zur neu gebildeten Ortsgemeinde Baar in der Mairie (Gemeinde) und Kanton Virneburg, im Arrondissement (Kreis) Bonn, Department Rhein und Mosel. Auch die kirchliche Organisation wird neu errichtet, die Pfarrei Wanderath kommt 1802 zum neu gebildeten Bistum Aachen und wird Kantonalspfarrei für die damals zu Hilfspfarreien herabgestuften heutige Pfarreien Retterath, Nachtsheim, Boos, Weiler, Langenfeld, Niederheckenbach und Blasweiler1.
    Sie lagen alle im Kanton Virneburg.
    Nach dem Wiener Kongress im Jahre 1815 kommt Wanderath zu Preußen, genau zur Gemeinde Baar, im Bürgermeisteramt Virneburg, Kreis Adenau, Regierungsbezirk Koblenz in der Preußischen Rheinprovinz. Im Jahre 1932 kommt die Gemeinde zum Kreis Mayen und 1934 zum Amt Mayen-Land, heute Verbandsgemeinde Vordereifel.
    Aber auch die Bistümer werden neu geordnet und zwar durch die Bulle DE SALUTE ANIMARUM zwischen Preußen und dem Hl. Stuhl. So kommt im Jahre 1821 Wanderath in das neue Bistum Trier. Hierbei wird Wanderath unter den Kantonalspfarreien genannt, die das neue Bistum Trier bilden.2 Es kommt zum Dekanat Adenau, 1924 zum Dekanat Kelberg, 1970 zum Dekanat Mayen.
    Der Ort Wanderath selbst ist klein, kleiner als alle Filialen, er besteht 1815 aus Kirche, Pfarrhaus und Schule mit Lehrerwohnung. Erst langsam kommen weitere Häuser dazu, stolz zählt die Lehrerin Bungarten noch in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts jedes neu gebaute Haus auf. Erst nach dem Krieg wird Wanderath der größte Ortsteil der Gemeinde Baar. So war es kein Wunder, dass 1834/1835 die bevölkerungsreichsten Orte Herresbach und Virneburg wünschten, eigene Pfarreien zu werden, wobei Wanderath aufgelöst werden sollte. Es scheiterte am Widerstand der Verlierergemeinden Baar und Siebenbach und aus den fehlenden finanziellen Möglichkeiten der neu geplanten Pfarrorte.3
    So behielt Wanderath den Sitz der Pfarrei.

    1 Eismann, die Umschreibung der Pfarreien des Bistums Aachen im Rhein-Mosel Departement 1802- 1808 Trier 1972 .Seite 149.
    2 Blattau, Statuta Synodalia. Trier MDCCCXLIX, Seite 561 ff
    3 Aloys Richter, Wanderather Geschichtsblätter Nr. 2/2003, Seite 35 ff


    Wanderath hatte stets eine überörtliche Bedeutung, hatte also mehr Bedeutung als seiner Einwohnerzahl entsprach. Hier seien die Gründe genannt:

  • Wanderath ist Pfarrort. Das bedeutete in der früheren Zeit, da der Einfluss der Kirche sehr groß war, viel. Daher ist hier der Kirchhof für die Filialorte.
  • Wanderath war lange Zeit Schulort, anfangs für die ganze Gemeinde Baar, nach 1919 nur noch für den sogenannten Berg (Wanderath, Freilingen, Engeln, Büchel). Da in Herresbach eine neue zweiklassige Schule stand, wurde Herresbach bei der Schulreform 1970 Standort der Grundschule für die Orte der Pfarrei. Dafür aber wurde in Wanderath ein Kindergarten gebaut, der auch die Pfarreien Nürburg und Kaltenborn mit einbezieht, und der in seiner Blütezeit über 120 Kinder betreute, im Moment immerhin noch ca. 90.
  • Die Darlehenskassen waren nach Pfarreien organisiert, so kommt nach Wanderath der Neubau der damaligen Raiffeisenkasse, heute Volksbank mit Lagerhalle.
  • In Wanderath wird 1954 das Landschulheim gebaut. Heute ist es das Waldhotel. Die größte Initiative aber kam durch den Bau einer Fabrik. Sie kam nie zu der vollen Auslastung, für die sie gedacht war. Hier war zunächst ein Werk für Armaturen, dann wurden hier PKW´s umgerüstet und schließlich Krankenfahrzeuge umgebaut. Heute steht sie leer und wird nun als Lager benutzt. Aber im Zusammenhang mit dem Bau der Fabrik wurden zahlreiche Wohnhäuser errichtet. Das Büro wurde zu einem Heim für geistig Behinderte umgebaut, das im Rohbau stehende Wohnhaus des ersten Fabrikbesitzers wurde - wohl durch Intervention des damaligen Landrates Klinckhammer - zunächst zum Bildungszentrum dann zum Tagungshotel des RWE ausgebaut und stark erweitert. Es wird in einem weiten Umkreis zu Schulungen für Mitarbeiter des RWE aber auch zu Tagungen benutzt. Auch bei Veranstaltungen am Nürburgring ist es stark belegt.
    Es waren zwei Männer, die Wanderath stark gefördert haben; einmal Dechant Schneider, der im weiten Umkreis und im ganzen Bistum als „Eifeler Michel“ bekannt war.
    Dann Johann Bungarten aus Freilingen, der im Kreis und der Verbandsgemeinde großen Einfluss besaß. Sein Wirken wurde gewürdigt, eine Würdigung von Dechant Schneider steht noch aus. Leider ist man in Wanderath nicht anderen Orten gefolgt, die das Andenken verdienter Bürger durch einen Straßenamen für die Zukunft festhalten.

     

    IV. Ausblick

    Hat Wanderath eine Zukunft? Diese Frage stellen sich auch viele andere Eifeldörfer. Hier gehen die Meinungen weit auseinander, sie reichen von Optimismus bis zu Pessimismus.

    IV. Ausblick

    Pessimismus: Da ist einmal der sogenannte demographische Faktor. Wie alle Orte der Eifel hat Wanderath mehr Sterbefälle als Geburten. Dazu kommt der Zug zur Globalisierung, Behörden, Schulen, Gewerbe und Geschäfte konzentrieren sich auf zentrale Orte und verlassen die Fläche.

    Optimismus: Der Ausbau des Nürburgrings könnte auch die Orte in der Nähe des Rings wirtschaftlich kräftigen und Arbeitsplätze schaffen, die ein Abwandern verhindern und die Häuser nicht zu unbewohnten Ruinen werden lassen.
    Aber das sind Spekulationen, über die die Zukunft entscheidet. Kommende Generationen wissen mehr.

    V. Anlage

    In der Anlage eine Kopie der Skizze des Römerhauses, angefertigt durch Dechant Schneider (siehe Text). Ferner ein handgezeichneter Ortsplan von Wanderath im Jahre 1910 (siehe nachfolgend).



     

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    Unser Dorf soll schöner werden



    Bild oben:
    Abschlußbesprechung der Landeskommission in der neuen Schutzhütte. Das Gläschen Wein, das von den Wanderathern angeboten wurde, wird nicht als Punkt gezählt, wurde von der Kommission beteuert. Wanderath liegt 530 m über NN, wußte Günter Retterath zu berichten.



     




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    Da, wo Wanderath besonders schön ist

     

    Bilder oben:
    Das Neubaugebiet „Auf der Heide“ komplett bebaut

     

    Bilder oben:
    Da, wo Wanderath besonders schön ist.
    links: Hauptstraße, Ecke Friedhof; rechts: Hauptstraße, Ortsmitte

     

    Bilder oben:
    Da, wo Wanderath besonders schön ist.
    links: Ecke Kiefern- Birkenweg; rechts: Hauptstraße, an der Kirche

     

    Bilder oben:
    Da, wo Wanderath besonders schön ist.
    links: Ortseingang von Freilingen kommend; rechts: am Tannenweg

    Bilder: Heribert Hänzgen

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    Verschiedene Ansichten von Wanderath gestern und heute




















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    Die Entwicklung von Wanderath

    von Heribert Hänzgen

    Mitte des 19. Jahrhunderts bestand Wanderath nur aus der Kirche, dem Pfarrhaus, der Schule und einem Wohnhaus. Nach dem 2. Weltkrieg hatte Wanderath schon 12 Wohnhäuser (davon 2 Gastwirtschaften), eine Kirche, eine Schule, ein Pfarrhaus und ein Jugendheim. Heute hat der Ort zusammen mit dem Wochenendgebiet über 125 Wohnhäuser und ist damit der größte Ortsteil in der Gemeinde Baar. Zur Zeit wohnen hier 384 Einwohner.

    Die Hausnamen nach dem Krieg:
    -- Rausche Jupp (heute Gasthaus Waldesruh, Birkenweg 1)
    -- Owe-Bäkesch (heute Hildegard Ley, Birkenweg 2)
    -- Önne-Bäckesch (heute Christa Schüller, Hauptstraße 13)
    -- Schlichs Mattes (heute Eric Bell, Im Wiesengrund 1)
    -- Schlichs Wilhem (das Haus wurde vor einigen Jahren abgerissen. Heute hat Rudolf Schlich an dieser Stelle einen Geräteschuppen gebaut.
    -- Kowalaks (heute Berni Kowalak, Im Wiesengrund 2)
    -- Schostesch (heute Josef Schmitt, Hauptstraße 20)
    -- Freunds (ehemalige Gaststätte und Bäckerei Keppler, Hauptstraße 18.
    -- Schlichs Tunn (heute Klemens Stein, Kirchweg 2)
    -- Fränze Lehn (das Haus im Rosenweg 2 wurde vor einigen Jahren abgerissen. Heute hat Karl Josef Schlich an dieser Stelle eine Autogarage gebaut)
    -- Mättesjes Heinrich (heute Hans Draser, Hauptstraße 12)
    -- Amihaus (heute Marianne Engel, Hauptstraße 3)

    Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich Wanderath wie folgt:
    1954/1955 Bau des Landschulheims in Wanderath.
    1955-1960 Adolf Schüller baut gegenüber Gastwirtschaft Freund. Martin Lassau baut unterhalb des Landschulheims. Josef Pitzen und Frau Protzner bauen unterhalb von Martin Lassau.
    1960 Josef Schlich baut ein Einfamilienhaus neben Martin Lassau.
    1961 Am jetzigen Tannenweg baut die Familie Neerpasch ein Wochenendhaus. Lehrer Luxem baut ein Wochenendhaus im Kiefernweg.
    1962 Edmund Schmitz baut ein Wohnhaus. Josef Schomisch baut zwischen Martin Lassau und dem Landschulheim. Karl Schlich baut im Garten neben dem elterlichen Haus. Im Tannenweg werden die Wochenendhäuser Raueiser, Nöthen und Kempe gebaut.
    1963 Bau der Fabrik
    1964 Förster Nückel baut an der Eichelsnick. Walter Jonas baut gegenüber vom Haus Nückel. Matthias Früh baut auf der Heide. Alfred Schäfer baut am Ortsausgang in Richtung Oberbaar.
    1965 Edelgard Casper baut unterhalb vom Wohnhaus Protzner.
    1966 Herr Yzerman baut 5 Wohnhäuser. An der Eichelsnick werden 5 Wochenendhäuser gebaut. Heinrich Wagner aus Oberbaar baut gegenüber der Fam. Casper. Walter Schlich baut oberhalb der Trafostation.
    1967 Richard Jonas baut ein Mehrfamilienhaus zwischen dem Haus Protzner und dem Haus Casper. Familie Greifels baut neben dem Wohnhaus Nückel an der Eichelsnick. Familie Kramer baut unterhalb von Walter Jonas. Familie Fuchs baut an der Eichelsnick. Familie Kahlbetzer baut an der Eichelsnick.
    1971 Heinrich Wagner baut gegenüber dem Wohnhaus Früh. Bau des Kindergartens neben dem Jugendheim.
    1976 Ausweisung des Baugebiets „Wanderather Flur mit 16 Einfamilienhäusern unterhalb der Fabrik.
    1993 Erweiterung des Baugebiets Wanderather Flur mit 14 Bauplätzen
    1997 Ausweisung des Baugebiets „Auf der Heide“ mit 13 Einfamilienhäusern.

    Das Amihaus und der Reichsarbeitsdienst
    Das Amihaus wurde im Jahre 1938/39 am Ortsende von Wanderath an der Straße in Richtung Oberbaar vom Reichsarbeitsdienst gebaut; zuerst wohnten dort die Leiter des Arbeitsdienstes mit ihren Familien. Der Arbeitsdienst hatte seine Baracken am alten Sportplatz, dort wo heute das Landschulheim steht, aufgeschlagen. Die jungen Männer des Arbeitsdienstes wurden bei den Arbeiten für die Flurbereinigung eingesetzt, Sie bauten und befestigten Feldwege, legten in den Feldern Drainagen an und begradigten die Bäche. Später halfen sie auch beim Bau der Wasserleitung in Wanderath. Weiterhin gab es ein Arbeitsdienstlager für Mädchen. Es wurde in dem leerstehenden ehemaligen Bürgermeistergebäude in Virneburg eingerichtet. Die Mädchen mussten bei den armen oder kinderreichen Familien aushelfen.

    Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Amihaus von der Polizei genutzt. Der Polizist hieß Blank. Später wurde es dann von amerikanischen und französischen Wachposten bewohnt. Im Jahre 1959 zogen die Besatzungsmächte aus und das Haus wurde von der Familie Müller erworben und bewohnt. Im Jahre 1979 erwarb es die Familie Jürgen Steurer, die auch zu diesem Zeitpunkt die Fabrik hatte. 1988 wurde es an die Familie Engel aus Virneburg weiterverkauft. Frau Engel wohnt heute noch dort.


    Das Landschulheim



    Bild oben
    Das Landschulheim im Jahre 1968



    Bild oben
    Nun wissen wir auch warum das Landschulheim von der einheimischen Bevölkerung, besonders der Männerwelt, so gerne besucht wurde.



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    Das Landschulheim im Jahre 2008, renoviert und als Hotel umgebaut.

    Das Landschulheim wurde 1954/1955 gebaut. Träger war die Stadt Oberhausen. Kinder aus Oberhausen sollten sich hier in der Eifel erholen. Die Gemeinde erhoffte sich beim Bau für die ortsansässigen Handwerksbetriebe einige Aufträge. Am 15.09.1954 erfolgte der erste Spatenstich. Leider wurden nur wenige Aufträge an die heimischen Handwerker vergeben. Verwalter des Hauses war damals Herr Direktor Lindemann. Der erste Hausmeister war bis zum Herbst 1963 Herr Müller. Dann folgte Herr Bergau. Zum 30.05.1964 wurde Herr Wrobel Hausmeister. Er zog mit seiner Frau und seiner Tochter ins Landschulheim ein.
    Im wöchentlichen Wechsel reisten damals die Kinder mit dem Bus der Firma Johann Müller aus Virneburg an. Johann Müller brachte die neuen Gäste und beförderte gleichzeitig die alten wieder zurück nach Oberhausen. Ende der 50er Jahre organisierte der damalige Verbandsbürgermeister Fischer eine achttägige Schulung für die Landmädchen der damaligen Verbandsgemeinde Mayen-Land, die im Landschulheim durchgeführt wurde. Die Stadt Oberhausen betrieb bis Anfang der 80er Jahre das Landschulheim. Herr Netzler war zu dieser Zeit Hausmeister. Danach wurde das Gebäude an ein Lehrerkollegium verkauft. Diese vermieteten es Anfang der 90er Jahre an die Caritas, welche bis zum Jahre 1999 ein Wohnheim für russische Übersiedler einrichtete. Danach stand es leer. Im Jahre 2004 wechselte der Besitzer. Der neue Eigentümer renovierte es komplett und baute es zu einem Hotel um.

    Die Fabrik in Wanderath

    Im Jahre 1963 erwarb Fritz Yzerman das Waldgelände am ehemaligen Oberbaarer Heiligenhäuschen. Hiersollte eine Fabrik zum Bau von Messingarmaturen entstehen. Die Gemeinde erhoffte sich dadurch Arbeitsplätze. Bereits im Frühjahr 1964 wurde der Wald gerodet und das Heiligenhäuschen musste weichen. Damals hatte man versprochen, später ein neues Heiligenhäuschen zu bauen. Doch das Versprechen wurde nie eingehalten. Man sagt, dass dies der Fabrik wenig Glück gebracht hat. Wie in der letzten Ausgabe „Der Baarer“ aufgeführt, wurde Ende der siebziger Jahre dann das Heiligenhäuschen von einem Oberbaarer Kegelclub am Kirchenweg nach Oberbaar neu aufgebaut.

    Die Baufirma Ernst Schmitt aus Oberbaar (damals noch Niederbaar) erhielt den Auftrag, die Fabrik sowie das dazugehörige Bürogebäude zu bauen. Das Fabrikgebäude hat Außenmaße von ca. 90 x 70 m. Für die Erschließung des Geländes und dem Bau der Straße „Am Buchholz“ erhielt die Gemeinde Baar damals einen Zuschuss von 75% der Ausgaben. Im Jahre 1963 arrangierte Herr Yzerman für die Kinder und die Senioren eine Weihnachtsfeier im Saale Rausche Jupp (heute Gasthaus Waldesruh). Alfred Beul war der Nikolaus. Jedes Kind erhielt eine Tüte mit Süßigkeiten. Weiterhin fand eine Verlosung statt. 1 Preis war ein Warmwassergerät im Werte von 100,00 DM.

    Im Jahre 1966 begann Fritz Yzerman mit dem Bau einer Villa im Wald neben dem Fabrikgebäude. Hier sollte sein Wohnhaus entstehen. Weiterhin baut er für seine Angestellten 5 Wohnhäuser. Davon 3 unterhalb der Fabrik und 2 oberhalb vom Gasthaus Börder. 1966 war die Fabrik fertig und man begann mit der Produktion. Bereits im Jahre 1969 ging die Firma, damals mit der Bezeichnung „SYA“ in Konkurs.
    Hans Josef Annen und Manfred Van Dinter übernahmen das Gebäude und gründeten die Firma TLB. Auch diese Firma hatte kein Glück und ging im Jahre 1975 in Konkurs. 2 Jahre später ersteigerte Jürgen Steurer aus Köln das Gebäude. Er hatte in Köln eine Autowerkstatt mit Abschleppdienst. Hier in Wanderath gründete er die Firma WSM und fertigte für die Firmen Renault, Talbot und Alfa Romeo Sonderserien an. Er baute Schiebedächer und Autoradios ein und lackierte die Fahrzeuge in Sonderfarben. Zeitweise standen auf den Wiesen in Wanderath und Freilingen über 1000 Autos. Die Firma WSM ging im Jahre 1984 in Konkurs. Danach wurde die Fabrik von der Firma KFB Extra Mobile übernommen. Sie bauten Fahrzeuge zu Krankentransport- und Sonderfahrzeuge um. Firmeninhaber waren die Kaufleute Burghardsmeier und Schnitzler. Später kam noch Herr Dausch in die Geschäftsleitung. Mit ihren Patenten war die Firma KFB führend in Europa. Auch diese Firma ging im Jahre 2001 in Konkurs. Unter gleichen Namen wurde sie dann von Herrn Fichtner und Herrn Burkow übernommen und weitergeführt. Als es 2005 zur Versteigerung des Gebäudes kam, das Fabrikgebäude war nur angemietet, verlegte die Firma KFB ihren Sitz ins Gewerbegebiet am Nürburgring, wo sie heute noch produziert. Das Fabrikgebäude mit Freifläche wurde im Jahre 2006 von einem Kaufmann aus Mayen ersteigert, der die einzelnen Hallentrakte an verschiedene Firmen vermietet. Zeitweise beschäftigten die einzelnen Firmen über 100 Arbeitskräfte. Die Fabrik war für unsere Gemeinde ein wichtiger Arbeitgeber.

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    Das Bild ist zwar verschwommen, aber es ist zu wertvoll, um weggelassen zu werden

    Mit Hilfe von Landrat Dr. Klinkhammer ersteigerte im Jahre 1974 das RWE die Villa von Herrn Yzerman. Sie wurde umgebaut und als Schulungszentrum des RWE genutzt. 1995-1997 wurde das Gebäude komplett renoviert und erweitert und zu einem Bildungszentrum umfunktioniert. Heute ist es ein modernes Tagungszentrum und hat sich dem freien Markt für den Tourismus geöffnet. Man findet dort moderne Konferenz-, Hotel-, Freizeitund Fitnessanlagen mit eigener Gastronomie. Das Hotel hat im Jahr über 10.000 Übernachtungen. Das Bürogebäude wurde ebenfalls versteigert und 1977 von einem Herrn Thieringer aus Burgbrohl erworben. Er richtete dort ein Altenheim ein. Herr Raab aus Mendig war zunächst Geschäftsführer. Später übernahm er das Haus und führte es in eigener Regie weiter. Danach wurde es im Jahre 2000 an Herrn Ostheide aus Selters weiterverkauft. Zwischenzeitlich hat wieder der Besitzer gewechselt. Heute gehört die Einrichtung einem Herrn Köhler, der dort ein Wohnheim für chronisch psychisch kranke und physisch behinderte Menschen eingerichtet hat.


    Unternehmer in Wanderath

    Frau Protzner und Sauesch Jupp
    Im Jahr 1960 eröffnet Frau Elfriede Protzner ein Lebensmittelgeschäft. Frau Protzner stammte aus Ostdeutschland und zog mit ihren beiden Kindern nach Wanderath. Ihr Mann blieb im Osten. Mitinhaber des Geschäfts ist Josef Pitzen (Sauesch Jupp) aus Niederbaar. Er hatte selbst einen Textilhandel und zog mit seinem Koffer von Haus zu Haus. Josef Pitzen verkaufte Reißverschlüsse, Gummibänder, Zwirn, Knöpfe usw..

    Freunds Wirtschaft
    Freunds hatten eine Gaststätte mit Saal. Ursprünglich wurde sie von Freunds Bernhard und seiner Ehefrau Freunds Nann betrieben. Ihre beiden Kinder Erna und Paula halfen mit. Zur Kirmes zog es immer die Niederbaarer Jugend in Freunds Saal. Der Betrieb wurde später bis zum Jahre 1973 von der Tochter Erna und ihrem Ehemann Alfred Beul weitergeführt. Danach wechselten häufig die Besitzer, bis Ernst Keppler aus Virneburg im Jahre 1978 das Gebäude erwarb und dort eine Gaststätte mit Bäckerei einrichtete. Er führte das Unternehmen zusammen mit seiner Ehefrau bis zum Jahre 2002. Dann trennte man sich und seit 2008 gehört das Anwesen einem Motorradclub aus Mosbruch (Kreis Daun).

    Rausche Jupp – Gasthaus Waldesruh
    Früher hatten Rausche nicht nur eine Gastwirtschaft sondern auch noch ein Lebensmittelgeschäft. Die Gastwirtschaft sowie das dazugehörige Lebensmittelgeschäft wurden von der Familie Jakob und Gertrud Rausch gebaut und eröffnet. Die Ehe blieb kinderlos und man nahm Anna Rausch (Rausche Nannsche) aus Engeln an Kindesstatt an. Rausche Nannsche heiratete später Matthias Wagner aus Siebenbach. Matthias Wagner wurde 1920 bei einer Auseinandersetzung mit amerikanischen Soldaten in der Wirtschaft erschossen. Rausche Nannsche führte dann mit ihren Töchtern Gertrud, Agnes, Franziska, Rosa und Maria die Gaststätte und das Lebensmittelgeschäft weiter. 1933 heiratete Josef Wagner aus Büchel die Tochter Gertrud (Rausche Trautsche). Noch vor dem Krieg gab man das Lebensmittelgeschäft auf und führte die Gastwirtschaft bis in die 60er Jahre. Danach wurde das Wirtshaus der Tochter Gisela und dem Schwiegersohn Albert Börder (Rausche Albert) übergeben. Seit 1998 wird das Lokal von dem Sohn Harald und seiner Ehefrau Manuela geführt. Am Ende des 2. Weltkriegs, die Amerikaner waren schon auf dem Anmarsch, Truppen der Waffen-SS hielten sich noch in Wanderath auf, hisste Rausche Jupp auf dem Dach eine weiße Friedensfahne. Als die Soldaten der SS dies sahen, schossen sie auf die Fahne, nahmen Rausche Jupp gefangen und führten ihn ab. Zum Glück konnte er in einem günstigen Moment in Welschenbach fliehen und kehrte später unversehrt nach Wanderath zurück.

    Firma Preuss
    Die Firma Preuss Spezialtiefbau GmbH hat ihren Betrieb in Mendig mit Firmensitz in Wanderath. Das Unternehmen wird von Joachim Schmitz und Uschi Preuß-Schmitz geführt.

    Bäckerei Retterath
    Seit 1983 betreibt Ernst Retterath mit seiner Ehefrau Renate eine Bäckerei. Sein Schwager Karl-Josef Schlich unterstützt ihn und fährt mit einem Verkaufswagen die Backwaren aus.

    Heizung und Sanitär Eduard Schwarz
    Eduard Schwarz ist seit 1997 selbständiger Heizungs- und Installationsmeister. Sein Lager hat er in Oberbaar.

    Schlosserei-Reparaturwerkstatt Josef Bouhs
    Von 1985 bis 2007 betrieb Josef Bouhs in Oberbaar eine eigene Schmiederei. Er hatte in Wehr das Schmiedehandwerk erlernt. Danach arbeitete er vorübergehend in der Fabrik in Wanderath, im Straßenbau und bei einer Stoßdämpferfabrik in Bad Neuenahr. 1985 machte er sich selbständig.

    Schreinerei Markus Schlich
    Das Schreinerhandwerk erlernte Markus Schlich bei der Schreinerei Schomisch in Virneburg. Bis zu seiner Selbständigkeit im Jahre 2002 arbeitete er bei der Firma Möbel May in Mayen und bei Roman Mayan in Virneburg.

    IVKO Industrieprodukte
    Die Firma IVKO stellt seit 1992 Brillengestelle her. Sie produziert in Wanderath, Nitz und Kelberg. Firmeninhaber ist das Ehepaar Jutta Kahlbetzer und Wolfgang Thelen.

    Volksbank Zweigstelle Wanderath
    Das Gebäude der Volksbank wurde im Jahre 1974/1975 gebaut. Die Bank war sowohl im Geldgeschäft als auch im Warengeschäft tätig. Im Jahre 2002 wurde das Warengeschäft abgestoßen und man widmet sich nur noch dem Geldmarkt.

    Landhandel Weber
    Helmut Weber übernahm im Jahre 2002 das ehemalige Raiffeisen Warenlager. Er handelt hauptsächlich mit landwirtschaftlichen Produkten, Baustoffen, Werkzeugen und Getränken.

    Getränkehandel Hennrichs
    Günter Hennrichs aus Boos hatte in den Jahren 1992-2003 im Raiffeisengebäude ein Getränkelager. Von hier belieferte er überwiegend Gaststätten im Bereich Baar, Herresbach, Virneburg. Danach wurde die Halle an den Kfz.-Handel Automobile Schell verpachtet.

    Kfz.-Handel Automobile Schell
    Hans Schell betreibt seit 2004 auf dem ehemaligen Raiffeisenplatz einen Gebrauchtwagenhandel. Zuvor betrieb er dieses Geschäft in Bonn.

    Kfz.-Handel Export Nico Mahn Automotive
    Nico Mahn wohnt in Wanderath und betreibt in Koblenz einen Kfz.-Handel.

    Kfz.-Handel Vermietung Nöhl
    Klaus Nöhl betreibt einen Gebrauchtwagenhandel. Davor vermietete er Quads und veranstaltete geführte Quadtouren.

    RWE Bildungszentrum
    Das RWE Bildungszentrum gibt es seit 1974. Ursprünglich war es ein internes Schulungszentrum für die RWE Belegschaft. Mittlerweile hat es sich dem Tourismus geöffnet und ist zu einem modernen Tagungshotel geworden.

    Bauunternehmung Viktor Dinges
    Seit 8 Jahren betreibt Viktor Dinges in Wanderath ein kleines Baugeschäft. Er baut überwiegend Einfamilienhäuser und Keller für eine Fertighausfirma.

    Landwirtschaft Rudolf Schlich
    Rudolf Schlich übernahm den landwirtschaftlichen Betrieb von seinem Vater Wilhelm Schlich. Er war Vollerwerbslandwirt. Seit ca. 8 Jahren wird der Betrieb von seiner Tochter und seinem Schwiegersohn im Nebenerwerb weitergeführt.

    Weihnachtsbaumanbau - und Verkauf Alois Schmitz
    Alois Schmitz pflanzt und vermarktet Weihnachtsbäume. In seinem Sortiment hat er Nobilis, Nordmanntannen und Blautannen.

    Altenheim Gottschlich
    In der Straße „Auf der Heide“, dort wo heute die Familie Nöhl wohnt, war in den 80er Jahren ein privates Altenheim. Ursprünglicher Besitzer war ein Herr Gottschlich.

    Bäckerei Johann Thelen
    Der Großvater von Hildegard Ley war Bäcker. Er backte bis etwa 1930 in dem Backofen von Önne-Bäckesch (Bäckesch Marie). So backte er auch anlässlich der Hochzeit von Löschesch Johann und Schmitz Luzia aus Freilingen. Anders als heute wurden damals Hochzeiten Zuhause gefeiert. Hierzu musste die Stube geräumt werden, damit alle Platz hatten. Früher feierten die Freilinger und die Wanderather immer gemeinsam Hochzeit.

    Schumacher Schostesch Josef (Josef Thelen)
    Schostesch Josef hatte in Wanderath eine Schusterwerkstatt. Es war der Onkel von Schostesch Johann und der Großonkel von Schostesch Helga. Die Werkstatt war dort, wo heute Schostesch Jupp die Küche hat. 1952 hörte er kurz vor seinem Tod mit dem Schusterhandwerk auf. Das Werkzeug verkaufte man später an Pitze Jupp aus Oberbaar. Schostesch Johann war Junggeselle und verrichtete in der Kirche den Küsterdienst. Er betete vor und stimmte die Lieder an.

    Sägewerk Schlichs Mattes
    Matthias Schlich betrieb von 1949 bis 1960 im Wiesengrund 1 in Wanderath (heute Eric Bell) ein Sägewerk. Das Gatter stand in dem Schuppen gegenüber dem Wohnhaus. Zeitweise hatte er auch jemand beschäftigt. Er schloss damals den Betrieb, da er nicht mehr rentabel war.

    Die Kochschule und die Landwirtschaftsschule
    Im 2. Weltkrieg waren die Mädchen und Jungen, die aus der Schule kamen, verpflichtet, die Kochschule bzw. die Landwirtschaftsschule zu besuchen. Dort, wo heute die Pfarrbücherei ist, war ab 1940 die Wanderather Kochschule. Sie war für die Kinder aus Virneburg, Baar, Herresbach, Siebenbach, Acht und Welschenbach eingerichtet. Später wurde sie, bis etwa Ende der 50er Jahre, ins Jugendheim verlegt. Die Mädchen, die damals noch bei ihren Eltern Zuhause wohnten, mussten 2 Jahre und diejenigen, die außerhalb des Elternhauses wohnten, 1 Jahr die Schule besuchen. Zuerst wurde sie geleitet von der Tochter des Verbandsbürgermeisters Fröhlich und später von einer Frau Müller aus Koblenz.




    Bombenabwurf in Wanderath

    Ende des Jahres 1944 stand Deutschland in einer bedrohlichen Lage. Sowohl aus Richtung Osten als auch aus Richtung Westen rückte die Front immer näher. Die Bodentruppen der Alliierten versuchten mit Luftunterstützung über die Westgrenze nach Deutschland vorzustoßen. Am 1. Januar 1945 wurde während des Hochamtes die erste Bombe über Wanderath abgeworfen. Zu dieser Zeit besuchten die meisten Leute die Kirche. Die Bombe fiel an der Eichelsnick auf das Feld zwischen dem jetzigen Wohnhaus von Helmut Jonas und der Schutzhütte. Sie riss ein tiefes Loch in den Boden. Zum Glück verursachte sie keine Personenschäden. Weitere Bomben fielen Ende 1944/Anfang 1945 im Bereich der Nitzermühle, des Bierschbachtals und im Bereich Oberbaar. Edeltrud Schmitz kam im Jahre 1945 zur heiligen Kommunion. An diesem Sonntag waren ständig Fliegerangriffe. Da sie auf alles schossen, was sich bewegte, konnte Edeltrud nicht zur Kommunion gehen.

    Das Niederbaarer Heiligenhäuschen

    Obwohl es geographisch näher an Wanderath steht, wird es das Niederbaarer Heiligenhäuschen bezeichnet. Das Dreifaltigkeitskapellchen steht inmitten einer Gruppe von Fichten am alten Kirchenweg, der von Niederbaar nach Wanderath führt. Es ist rechteckig und hat ein Giebeldach. In der Stirnwand gegenüber der Eingangstür steht eine Figur der Dreifaltigkeit. Davor ein Bord mit Blumen und Figuren. Jedes Jahr am Dreifaltigkeitssonntag (erster Sonntag nach Pfingsten) geht eine Prozession zum Gebet an das Kapellchen. Früher soll hier auch eine Figur der hl. Odilia gestanden haben, daher wurde es auch von Augenkranken besucht.
    Gebaut wurde das Heiligenhäuschen von einem Mann mit Namen Jonas, der aus Acht stammte und nach Niederbaar verheiratet war. Früher soll über der Eingangstür eine Jahreszahl gestanden haben, die überstrichen wurde. Das Feld, auf dem es steht, gehört jetzt Schostesch Jupp (Familie Josef Schmitt) aus Wanderath. Schostesch Johann kaufte das Feld Ende der 50er Jahre von Jüppjes Johann. Seit dieser Zeit wird es von Schostesch gepflegt. Ursprünglich war der Innenraum höher und ging bis an den First. Anfang er 60er Jahre zog Schostesch Jupp eine Zwischendecke ein.
    Man erzählt, dass im ersten Weltkrieg ein Bauer Korn unter dem Dach versteckt haben soll um es vor der Abgabe zu schützen. Aber eine Maus nagte den Sack an und das Korn rieselte herunter.

    Fastnachtsspässe (Bericht aus der Wanderather Chronik)

    Im Jahre 1956 wurden die Gastwirte sowie die Eltern von Jugendlichen auf die Einhaltung der Bestimmungen des Jugendschutzgesetztes hingewiesen. Für die Kontrollen trat man damals seitens des Amtes an die Lehrerschaft heran. Aus diesem Grunde besuchte Lehrer Luxem am Fastnachtssonntag kurz nach 24 Uhr die Gastwirtschaft Freund. Doch schon nach wenigen Minuten verließ er das Lokal. Vor der Tür wurde er dann von einem Betrunkenen aus der Baar angefallen und grundlos geschlagen. Lehrer Luxem machte den jungen Mann auf sein Fehlverhalten aufmerksam. Dieser ließ sich jedoch zu einem weiteren Schlag hinreißen. Daraufhin sah sich Lehrer Luxem gezwungen, dem sauberen Herren mit der Faust „Erdnähe“ zu verschaffen und eine Strafanzeige zu erstatten.

    Fußballverein Schwarz/Weiß Baar

    Der Fußballverein Schwarz/Weiß Baar veranstaltete Pfingstmontag Tanz in Freunds Saal. Pfarrer Schneider sagte zu den jungen Mädchen, dass sie nicht hingehen sollten. Becke Pitte erlaubte seiner Tochter Else jedoch, dass sie hingehen könnte. Am nächsten Sonntag „predigte“ Pfarrer Schneider von der Kanzel, wer alles von den jungen Mädchen in Freunds Saal war. Einige Zeit später sollte am gleichen Tage Tanz in Rausche und in Freunds sein. Doch Pfarrer Schneider verbot beide Feste. Am besagten Abend ging er zu Freunds und stellte fest, dass dort keine Tanzveranstaltung war. Guten Glaubens dachte er, dass auch Rausche Jupp sein Verbot beachtete. Doch Rausche Jupp störte es nicht und veranstaltete einen Tanzabend. Als Pfarrer Schneider nun erfuhr, dass Rausche Jupp trotzdem die Veranstaltung durchführte, predigte er am darauffolgenden Sonntag von der Kanzel: „Das hätte ich von Rausche Jupp nicht gedacht“.

    Lichmeßkirmes

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    von links nach rechts: Heribert Hänzgen (mit Zigarre), Wilfried Börder (mit Gewehr), ganz rechts Albert Schüller, vorne sitzend: Alfred Schomisch

    Lichtmeß war früher für die Wanderather der höchste Feiertag im Jahr. An diesem Tag wurde die Kirmes gefeiert. Lichtmeß richtet sich nach dem Feiertag Mariä Lichtmeß, der immer am 2. Februar ist.
    Brauchtum ist es, dass am Kirmesmontag die Jugendlichen neu in den Junggesellenverein aufgenommen werden. An diesem Tag geht die Jugend zuerst gemeinsam in die heilige Messe. Anschließend wird in Rausche zusammen zu Mittag gegessen. Nachmittags werden dann die „Neuen“ gekört. Der Vorsitzende des Junggesellenvereins wird auch „Hereche“ genannt. Er hatte früher das „absolute“ Sagen. Das Hereche entschied bei der Körung, wer das Aufnahmeprozedere bestanden hatte und wer wiederholen musste. Am Kirmesmontag war früher in Rausche immer Hochbetrieb. Die umliegenden Unternehmer und Handwerker kamen und spendierten den Junggesellen entweder eine Flasche Schnaps oder einen Kasten Bier. Noch heute erinnert sich so mancher Junggeselle und auch Verheirateter gerne an den Lichtmessmontag.
    Der Junggesellenverein hat eine eigene Fahne. Zu verschiedenen Anlässen, wie beispielsweise am Fronleichnamstag, wird die Fahne in der Prozession getragen. Die Fahne wurde vor einigen Jahren für ca. 3500 DM komplett restauriert. An diesen Kosten beteiligte sich damals die Dorfgemeinschaft Wanderath mit einem Zuschuss.

     

    Bilder oben:
    links: von links nach rechts: Alfred Schomisch, Hermann Josef Ley, Wilfried Börder und Heribert Hänzgen
    rechts: Die Körmeister von links nach rechts: Alfred Schomisch, Wilfried Börder Hermann Josef Ley und Heribert Hänzgen






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    Das Jugendheim
    Mit dem Bau des Jugendheims und der angrenzenden Küsterwohnung wurde im Herbst 1922 begonnen. Ein Jahr später war das Jugendheim und 1924 die Küsterwohnung fertig. Die feierliche Einweihung erfolgte 1925 am Feste Christi Himmelfahrt. Es sollte für die Jugend eine Heimstätte der Freude und der Weiterbildung werden. Doch bis zum heutigen Tage erfuhr das Gebäude eine wechselhafte Geschichte. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges wurde es vielfältig von der Jugend und verschiedenen Vereinen für Theateraufführungen genutzt. Ebenso fanden dort Weiterbildungen statt. Im 2. Weltkrieg wurden dort zum Teil Truppen der Wehrmacht einquartiert.
    Direkt nach dem Krieg wohnten im Küsterhaus zeitweise Wanderather Familien, da die eigenen Häuser von den Alliierten besetzt waren. 1956 zog die Familie Masermann mit 5 Personen ins Jugendheim ein. Die Flüchtlingsfamilie stammte aus Brandenburg. Zu diesem Zeitpunkt wohnte auch noch die damalige Küsterin, Frau Gräff, in der Küsterwohnung. Herr Masermann war ein sehr guter Maler. Er malte auch das Bild von der Fußballmannschaft Schwarz-Weiß Baar, welches in der letzten Ausgabe veröffentlicht wurde. Außerdem sammelte er eine bestimmte Schneckenart und bewahrte diese in einem Verschlag im Keller des Jugendheims auf.

    Anschließend fütterte er sie mit einem speziellen Futter, sodass sie sich von innen reinigten. Waren sie sauber, verkaufte er sie an die Mayener Gastronomie. Im Herbst 1958 zog die Familie Masermann nach Mayen. In den 50er Jahren erlebte das Jugendheim nochmals eine Blütezeit mit dem Theaterspiel, bevor diese Tradition in den 60er Jahren für lange Zeit einschlief.
    Zu Beginn der 60er Jahre wurde das Küsterhaus an die Familie Schüller aus Köln vermietet, die es heute noch in der Urlaubszeit oder am Wochenende nutzt. Mitte/Ende der 60er Jahre mietete die Fahrschuhle Müller aus Weibern 1 Raum des Jugendheims, die hier bis 1990 einen Schulungsraum einrichtete. Zuvor unterrichtete Herr Müller bei Maria Kowalak.
    1981 renovierte man die ehemalige Küche und der Saal in Eigenleistung. Von 1990 bis 1995 wurde im Saal eine Kleiderkammer für russische Spätaussiedler eingerichtet. Danach richtete man für 1 Jahr einen Gruppenraum für den benachbarten Kindergarten ein, da der Kindergarten zu klein geworden und der Erweiterungsbau noch nicht fertig war. 1998 beschloss der Verwaltungsrat eine komplette Innen- und Außenrenovierung sowie eine Erweiterung um einen Sanitärbereich. Am 24.08.2002 waren die Arbeiten pünktlich zum Pfarrfest abgeschlossen.
    Die Pfarrangehörigen erbrachten über 1600 Stunden in Eigenleistung. Im Jahre 2003 wurde eine neue Küche eingebaut und den ehemaligen Fahrschulraum nutzte man als Jugendraum. Seit dieser Zeit besteht eine rege Nutzung durch Elternabende der Kommunionskinder, Sitzungen des Pfarrgemeinderats, Fastenessen, Proben der Eifeler Gitarrenfreunde und der zwei Theatergruppen. Daran sieht man, dass das neue Angebot Jugendheim angenommen wird und sich die Mühe gelohnt hat.

     

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    Die römischen Ziegel, die beim Bau der Küsterwohnung mit eingebaut und dann vom Verputz ausgenommen wurden.

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    Die Pfarrkirche St. Valerius in Wanderath
    Um 1000 n. Chr. begann man in der Hocheifel, dass Land zu roden und zu besiedeln. Der neue Lebensraum füllte sich nach und nach mit Menschen. Um diese Zeit entstand in unserer Gegend als erstes die Pfarrei Nachtsheim. Im 12. Jahrhundert bilden sich die Pfarrbezirke Weiler und Wanderath. Sie waren zwar mit eigenen Geistlichen ausgestattet, blieben aber Filialkirche des Pfarrbezirks von Nachtsheim. Zu dieser Zeit wurde auch die Kirche in Wanderath gebaut. Der schlichte, wuchtige Westturm der Pfarrkirche Wanderath stammt aus der Zeit des 13. Jahrhunderts. Er zeigt, dass die dazugehörige Kirche wohl flachgedeckt war.

    Um 1500 wird mit Hilfe der Grafen von Virneburg die spätgotische „Alte Kirche“ (das heutige Seitenschiff)gebaut. Die Grafen von Virneburg waren die Patronatsherren der Kirche. Als man ca. 1530 die Kirche um ein südliches und nördliches Seitenschiff vergrößerte, wurden die Seitenwände der alten Kirche durchbrochen.

    Im Jahre 1655 wird Wanderath eine selbständige Pfarrei. Hierzu gehören die Orte Engeln, Büchel, Freilingen, Nitz, Ober- Mittel- und Niederbaar, Herresbach, Eschbach, Döttingen, Siebenbach und Drees. Anfang des 19.Jahrhunderts kommt noch Virneburg hinzu. Dafür wird Drees an Welcherath abgetreten.

    1896/1897 wird das jetzige, neugotische Hauptschiff gebaut. Die beiden gotischen Seitenschiffe werden abgerissen. Die alte und die neue Kirche hatte jeweils ein eigenes Dach. Da die Kehle nie richtig dicht war, drang immer wieder Wasser ein. Im Jahre 1921/1922 war die Kirche wieder zu klein geworden und musste erweitert werden. Die damals achteckige Sakristei wurde abgerissen und die jetzige erbaut. Das Hauptschiff wurde um 10 m verlängert und die Empore errichtet. Den Turm erhöhte man um 6 Meter. Weiterhin erhielt die Kirche ein einheitliches Dach. Seit dieser Zeit hat sich die äußere Ansicht nicht mehr verändert. Man hat sich immer wieder gewundert, weshalb die Kirche im menschenarmen Wanderath gebaut wurde. Die nachfolgenden Sagen können vielleicht eine Antwort geben:

     

    1. Die Legende:
    Wanderath=Wunderort
    Ursprünglich sollte die Kirche zwischen Oberbaar und Drees errichtet werden, aber die bei Tag zur Baustelle gebrachten Steine flogen nachts wie durch ein Wunder nach Wanderath.

    2. Die Sage:
    Hier stand die Jagdkapelle der Grafen von Virneburg.

    3. Die Sage:
    Im Mittelalter waren in Wanderath 2 Klöster. Ein Nonnenkloster, dessen Fundamente heute noch zu sehen sind (gemeint sind die im vorigen Jahrhundert noch sichtbaren Reste des römischen Gebäudes) und ein Kloster der Tempelherren, zu dem die jetzige Kirche gehört.

    4. Die mythologische Deutung:
    Hier stand ein römisches, dann ein germanisches und schließlich ein christliches Heiligtum. Als „Heiliger Bezirk“ durfte die Umgebung nicht bebaut werden.

     

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    Die Schule in Wanderath

    Erstmals wird die Schule in Wanderath im Jahre 1664 erwähnt. In einer Pfarrinspektion steht, dass zu einer Visitation am 31. Juli 1664 geladen und erschienen waren: Pastor Johannes Martini zu Wanderath sowie die Sendschöffen. Versammlungsort war die Stube des Pastors zu Wanderath. Als erstes wird hierbei nach dem Verhalten des Schulmeisters Johannes Wolter gefragt. Da Lehrer Wolter nicht gut gelitten war, hatte die Visitation zur Folge, dass ihm gekündigt wurde.
    Bei einer Visitation am 24. Mai 1779 steht, dass man eine neue Schule, die 1776 gebaut wurde, vorfindet. 1851 berichtet der damalige Regierungsbaudirektor Althof: Die Lehrerwohnung ist wegen des schlechten Zustandes nicht mehr bewohnbar und der Lehrer wohnt im benachbarten Pfarrhaus. Das Schulzimmer bietet Raum für 100 Kinder. Zurzeit sind es 96. Das Gebäude liegt frei, ist Wind und Wetter ausgesetzt und der Regen dringt durch die dünnen, teilweise verfaulten Fachwerkwände. Er schlägt einen Neubau vor. Die Kosten werden auf 1477 Taler geschätzt. Da die Gemeinde damals arm war, erhielt sie einen königlichen Zuschuss in Höhe von 500 Talern.
    In einem Bericht vom 09.11.1906 steht, dass die Schule 51 Jahre alt ist und sich noch in gutem Zustand befindet. Beanstandet wird allerdings die Toilettenanlage sowie die Trinkwasserversorgung. Das Trinkwasser wurde damals aus dem Brunnen vor dem heutigen Raiffeisenlager genommen (ältere Leute kennen ihn noch als Tölzebur). Im Jahre 1908 besuchten 125 Kinder die Schule.

    Der letzte Schultag für die Volkschule Wanderath war am 14. Juli 1970. Damit ging eine 300 jährige Schultradition zu Ende. Die Schüler bis einschließlich 4. Schuljahr wechselten zur Grundschule nach Herresbach und die Schüler der Klassen 5-9 zur Hauptschule nach Nachtsheim. Zu diesem Zeitpunkt unterrichtete Frau Maria Bungarten. Auch sie wechselte zur Grundschule nach Herresbach.
    Heute wird der Schulsaal für Kirchenchorproben, Musikproben, Versammlungen oder Bastelnachmittage genutzt. Die Lehrerwohnung wurde renoviert und ist vermietet.



    Bild oben:
    Schüler aus Wanderath, Jahrgang 1965 an der hohen Acht



    Bild oben:
    Fräulein Bungarten wird in den Ruhestand verabschiedet.

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    Kindergarten Wanderath

    Der neu gebaute Kindergarten „St. Luzia“ wurde am 01.04.1972 mit 2 Gruppen eröffnet. Zu dieser Zeit besuchten 49 Kinder aus Baar, Herresbach, Siebenbach und Welschenbach die Einrichtung. In den Jahren 1973 und 1974 entschieden sich die Ortsgemeinden Virneburg und Nürburg sowie 1977 und 1978 die Gemeinden Kaltenborn und Meuspath beizutreten.

    Im Sommer 1992 konnten nicht alle Kinder aufgenommen werden, weil die Kapazität erschöpft war. So wurde eine Nachmittagsgruppe mit 11 Kindern eröffnet und im Mehrzweckraum ein provisorischer 3. Gruppenraum eingerichtet. Im gleichen Jahr entschied sich die Ortsgemeinde Virneburg einen eigenen Kindergarten zu bauen.

    1995 war die Kinderzahl so hoch, dass eine 4.Gruppe im angrenzenden Jugendheim eingerichtet werden musste. Dann wurde entschieden, den Kindergarten zu erweitern. Im Sommer 1996 konnten zwei Gruppen in den neuen Anbau einziehen. Des weiteren wurde der Altbau saniert und der Spielplatz erweitert.

    Seit bestehen des Kindergartens wird er von Roswitha Löhr geleitet. Z. Zt. wird die Einrichtung von 83 Kindern besucht. Davon sind 38 aus Baar, 14 aus Herresbach, 10 aus Siebenbach, 2 aus Welschenbach, 11 aus Kaltenborn, 4 aus Meuspath, 3 aus Nürburg und 1 aus Nitz. Seit einigen Jahren wird hier eine warme Mittagsmahlzeit sowie eine Ganztagsbetreuung angeboten. zum Inhaltsverzeichnis


    Der Gemeindebulle oder Heens

    von Beate Esch

    Hier in der Eifel und auch anderorts war es üblich, dass von der Verbandsgemeindeverwaltung ein Deckbulle angeschafft wurde, um die Kühe auf den Dörfern zu decken und damit den Viehbestand zu erhalten. Dieser Bulle musste dann bei einem Landwirt der Gemeinde untergebracht werden.

    In Baar gab es 2 Deckbullen. Einer stand in Niederbaar (bei Jüppjes Johann) und einer in Wanderath. Über 25 Jahre, d. h. in der Zeit von 1952 bis Anfang der 80er Jahre war der Stier in Wanderath bei Landwirt Rudolf Schlich untergebracht. Die Bauern aus den umliegenden Dörfern mussten sich mit ihren Kühen auf den Weg zum „Deckstier“ machen. Dies geschah zu Fuß oder man spannte die Kuh hinter den Traktor. Der „Akt“ als solches konnte manchmal eine ganz schöne Prozedur sein, wenn die Kuh „nicht stehen wollte“.

    Einmal kam es auch zu einer lustigen Situation, als Rudolf nicht zu Hause war und ein Mann aus Oberbaar mit seiner Kuh kam. Es war wichtig, die Kuh decken zu lassen, solange sie noch „ühesech“ war. Rudolfs Frau sagte zu dem Mann: „De Ruddolf ös net do. Un seleve mache könnt ihr et jo net...... Dabei meinte sie, der Mann soll selbst den Bullen aus dem Stall holen. Da antwortete der Mann ganz entrüstet: „Jo, wenn ech et seleve könnt, dann wär ech net bos her kunn!“ Ein anderes Mal wollte ein junger Mann auf der gedeckten Kuh nach Hause reiten und ließ sich von Rudolf auf die Kuh heben.

    Aber es gab auch gefährliche Situationen, je nachdem wie Kuh und Stier gelaunt waren. Einmal im Jahr war es Pflicht, den Deckbullen nach Oberbaar zur „Körung“ zu bringen. Jetzt musste das Tier zu Fuß bis dorthin geleitet werden, was oftmals eine heikle Sache war. Vor Ort saßen die hohen Herrn vom Amt um die Stiere der umliegenden Gemeinden zu begutachten. Man kann sich vorstellen, welch ein Gebrüll es gab, wenn alle Stiere dort zusammen trafen. Anschließend musste jeder Deckbulle einzeln vorgeführt werden. Rudolf Schlich erhielt hierbei auch die „Silberne Kammermedaille für Bullenhaltung.“ Am Ende musste der wohl oder übel gelaunte Bulle wieder zurück nach Wanderath geleitet werden. Später, mit Beginn der abnehmenden Viehhaltung, war der Deckstier dann nicht mehr rentabel. Mehr und mehr setzte sich die künstliche Befruchtung durch den Tierarzt durch. Heute wird zum Leid der Kühe nur noch künstlich befruchtet.

    Marco Bungarten wußte noch zu berichten: Karl Bungarten kam mit einer Kuh zum Decken, doch der Stier hatte große Probleme: „er kam nicht ran“. Daraufhin schickte Karl seinen Sohn Horst zu Rosel Schlich eine Zeitung zu holen, damit der Stier auch „dran“ kommt. Horst ging und Rosel kam natürlich mit, denn sie wollte ja wissen, wofür die Zeitung gebraucht wurde. Ob Rosel gelacht hat, der Stier dran kam und die Kuh trächtig wurde, ist leider nicht bekannt. Es stand auch nichts davon in der Zeitung.

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    Die älteste Einwohnerin von Wanderath

    Anna Augel, wurde am 30. November 1919 in Engeln geboren. 1948 heiratete sie Karl Augel und sie haben 2 Kinder; Maria Bungarten und Erwin Augel. Maria Bungarten, wohnhaft in Wanderath hat ihre Mutter zu sich nach Wanderath geholt, da Anna nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist.

    Seit 1988 ist Frau Anna Augel Witwe. Nach ihren Hobbys gefragt sagt Anna: Ich freue mich am Leben und früher habe ich gerne und viel getanzt, aber seit ich auf einen Rollstuhl angewiesen bin, klappt es mit dem Tanzen nicht mehr.

    Anna Augel hat 4 Enkel und 1 Urenkel.



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    Volkstanzgruppe Wanderath

    von Marie-Luise Gerhards

    Zunächst etwas zur Geschichte des Volkstanzes.
    Volkstänze oder Folkloretänze sind Tänze, die zu traditionellen Volksfesten oder in traditionellen Gesellschaften getanzt wurden und werden. Sie kommen praktisch in allen Kulturen vor und bilden zusammen mit der Volksmusik (nicht der volkstümlichen Musik!) eine untrennbare Einheit. Im Gegensatz zu Standardtänzen sind die Bewegungsabläufe nicht so strikt festgelegt, was nicht heißt, dass sie völlig formlos getanzt werden. Auch die zum Tanz getragene Tracht unterscheidet sich durch Schmuck, verwendete Stoffe, Kopfbedeckungen und Zierrat oft deutlich von der Alltagskleidung.

    Generell kann unterschieden werden zwischen "echten", d.h. überlieferten Volkstänzen, die in Noten und Beschreibungen aus alten Zeiten überliefert wurden und sogenannten "Folkloristischen Tänzen", denen eine moderne Choreographie zugrunde liegt, die häufig mit Elementen aus dem Ballett arrangiert sind und viel Theatralik beinhalten. Viele Tänze erzählen eine Geschichte. Es geht häufig um alltägliche Dinge, wie die Arbeit verschiedener Handwerksberufe, um Brautschau oder Brautwerbung u.s.w.. Daraus wurden auch die Namen der Tänze abgeleitet. (z.B. Töpfertanz, Hetlinger Bandriter, Kesselflicker Tanz, Kragelunder Brauttanz). Andere Tänze sind einfach nach der Art der Musik, der Melodie oder dem Takt benannt. Hierbei sind die Namen der einzelnen Tänze von Region zu Region verschieden und mitunter sogar austauschbar.

    Und nun zu unserer eigenen Geschichte
    Im Jahre 1970 belegte eine Reihe von Damen einen Gymnastikkurs, der von der Frauengemeinschaft Wanderath angeboten wurde. In den 70er Jahren war dies schon was Besonderes. Das regelmäßige Zusammentreffen und die sportliche Betätigung bereitete den Damen viel Freude. So überlegte man wie diese Aktivitäten fortgesetzt werden konnten. Der Gedanke war geboren. Wir möchten altes Kulturgut pflegen und die Freude an Bewegung verbinden. Im Jahre 1972 wurde die Volkstanzgruppe Wanderath gegründet. Stolze 16 Mitglieder zählten sich zu den Gründern. Fachlich wurde die Gruppe durch Frau Rauer aus Ettringen, begleitet, die zertifizierte Ausbilderin war und seit vielen Jahren Tänze unterrichtete.

    Damit nicht genug. Wenn Tänze erlernt werden, möchte die jeder gerne präsentieren. Aber dafür braucht es auch die passende Kleidung. So forschte die Gruppe in der Geschichte der Eifeltracht. Ja, leider war unsere Region in den vergangenen Jahrhunderten sehr arm und dementsprechend sah die Tracht aus. Dunkle einfache Stoffe, ohne viel Schmuck und Zierde, jedoch gab es eine Kopfbedeckung. Nun war die Gruppe vor eine Herausforderung gestellt. Wie können wir diese bekannten Elemente mit der heutigen Zeit verbinden? Die Damen entschieden sich für farbenfrohe Stoffe die sich in den Grundfarben, rot, weiß und schwarz wieder spiegelten. An der Stelle möchte ich mich einmal ganz herzlich bei Frau Else Schüller aus Wanderath bedanken, die über viele Jahre nicht nur sehr erfolgreich die Frauengemeinschaft geleitet, sondern unsere Gruppe mit kompetenter und fachlicher Hand mit Schere, Nadel und Faden und Schnitten aus Zeitungspapier immer wieder mit tollen Ideen zu neuen Kostümen verholfen hat.

    Else, wir haben viel von dir gelernt und danken für die vielen Stunden die du für uns zur Verfügung gestanden hast.

    An dem alljährlichen "Bunten Abend" der Frauengemeinschaft präsentierte sich die Gruppe erstmals im Januar 1973 mit ihren tollen Kostümen und den erlernten Tänzen. Nach dieser bestandenen Feuertaufe war der Ehrgeiz sich nicht nur in der Heimatgemeinde zu zeigen, sondern auch über die Grenzen hinaus zu reisen.

    Im Jahre 1974 ergab sich für mich die Gelegenheit in Vertretung für Marlies Bungarten in die Gruppe aufgenommen zu werden. Mit jungen 14 Jahren, keine Ahnung von Tanzschritten (Tanzschule gab es nicht), ging ich unbedarft an die Aufgabe. Ja Margret Bungarten ist mit mir im wahrsten Sinne über Tische und Stühle getanzt, denn sie räumte kurzerhand ihr Eßzimmer aus und schon übten wir Wechselschritt und Walzer. Margret, danke für deine Geduld!

    Im gleichen Jahr gründeten wir die Jugendtanzgruppe, die sich zunächst mit Folkloretänzen beschäftigte. Auch hier stand Frau Rauer mit Rat und Tat zur Seite. Ziel war es diese jungen Leuten ebenfalls mit der Tradition und Pflege des Brauchtums vertraut zu machen. So hatten wir für alle Altersstufen was im Angebot. Die Teilnehmer der Seniorengruppe blieben ziemlich stabil, wobei die Jugendgruppe immer wieder mal wechselte.

    Unsere wenigen männlichen Tänzer konnten wir auf die Dauer nicht halten. König Fussball war stärker. LEIDER!!!!! In den stärksten Zeiten zählten wir in beiden Gruppen fast 40 Tänzerinnen. Inzwischen waren wir Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Tanz und hatten somit die Möglichkeit uns in Seminaren weiter zu bilden. Wir erlernten Tänze aus der Eifel und aus anderen Regionen, aber auch wie man moderne Elemente in einer Choreographie zusammen führt.

    Im Laufe der Jahre hat sich so ein sehr umfangreiches Repertoire an Tänze entwickelt, mit unzähligen Requisiten, wie z.B. Tanzbögen, Schrubber, Rasseln, Tamburin, Cheerleader-Griff, Handschuhen, Petticoat, Hüten, Federn, Perücken, Säbeln, Stirnbändern, Stiefeln, Schuhe und hunderte von Meter Stoff die zu Kostümen verarbeitet wurden. Bei den Seminaren, den vielen Tanztreffen und Auftritten wurden immer wieder neue Freundschaften und Kontakte geschlossen, die wir auch noch bis zum heutigen Tag pflegen. Das Schöne war, dass bei allen Auftritten immer die ganze Familie der Tänzerinnen mit dabei war. Ohne ging es gar nicht. Ehemann, Kinder, Freunde, alles wurde mitgeschleppt. Hier einige Beispiele wo wir in all den Jahren unsere Auftritte absolvierten, bei Familienfesten, Festumzügen, Heimatfesten, Karnevalsveranstaltungen, kirchliche Veranstaltungen, Trachtentreffen, Tanzwettbewerben, Alle Gemeinden um unsere herum, wie Herresbach, Langenfeld, Virneburg, Ettringen, natürlich in der Gemeinde Baar, Adenau, Bitburg, Bergisch Gladbach, Kröv, Martenthal, Mayen, Mendig, Nassau, Waldesch, Winningen, Weißenthurm, und viele mehr.

    Höhepunkt war das Internationale Volkstanztreffen 1982 in Berlin. Für diesen Auftritt mußten wir in kürzester Zeit 24 neue Tänze erlernen. Jeder unserer Tänzerinnen wird sofort wieder ins Schwitzen kommen, wenn sie nur dran denken. Jedoch war es ein tolles Erlebnis mit 1000 Tänzern und Tänzerinnen über mehrere Tage das Erlernte zu zeigen. Alles schöne hat mal ein Ende. Aus beruflichen Gründen wurde es immer schwerer gemeinsame Proben durchzuführen, so das sich die Gruppe schweren Herzens entschloss, die Volkstanzgruppe im Herbst 1988 aufzulösen. Um die Gemeinschaft zu erhalten, bildete sich aus den Volkstänzerinnen Kegelschwestern, die auch heute noch keine ruhige Kugel schieben.

    Ja, ich kann schon sagen, diese Jahre waren für uns alle sehr prägend. Die unzähligen schönen Stunden an die ich mich sehr gerne erinnere, zaubern mir immer wieder ein Strahlen ins Gesicht.

    Ich danke all unseren Mitgliedern, ob Senioren oder Jugend für die schöne Zeit, dass ich mit euch gemeinsam Ideen entwickeln und umsetzen durfte. Elisabeth Lausen danke ich für die Chronik und verschiedene Bilder ebenso Mathilde Stein, die ergänzend unseren Beitrag vervollständigen.

    Die letzten Gedanken möchte ich zwei lieben Menschen widmen, die unsere Gruppe viel zu früh verlassen mußten.

    Maria Schäfer, die viele Jahre mit im Vorstand tätig war und die Geschicke des Vereins erfolgreich gelenkt hat. Verstorben 1995.

    Agnes Schomisch, die ebenfalls seit Gründung mit im Verein tätig war und mit ihrem herzlichen Lachen uns alle bereicherte. Verstorben 2003

    In unseren Herzen und in unseren Gedanken sind sie immer bei uns.

    Herzlichst eure
    Marie-Luise Gerhards

     

    Bilder oben:
    links: Maria Schäfer; rechts: Agnes Schomisch



    Bild oben:
    Tolle Mädels in tollen Kostümen



     

     

     

     

     

     

     

    Bilder oben:
    Auch die Geselligkeit kam nie zu kurz!
    links: Das Wandern ist des Müllers Lust.; rechts: Goldene Hochzeit in 2008. Fürs Spalierstehen reicht es noch allemal.

     

    Bilder oben:
    links: Das waren noch Ladewagen, die wurden das ganze Jahr genutzt.; rechts: neben dem Tanz wurde auch gesungen, meistens aber nichts Ernstes.



    Bild oben:
    in geselliger Runde beim Kegeln in Oberbaar beim Onkel Jupp



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    Das RWE - Bildungszentrum

    Sehen Sie hierzu bitte die Berichte in der örtlichen Presse:

  • Bericht 1 über die Wiedereröffnung nach Umbau

  • Bericht 2 über die Wiedereröffnung nach Umbau

  • Bericht 3 zur Wiedereröffnung nach Umbau














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    Gefeiert wurde und wird in Wanderath zu vielen Anlässen
     

     

     

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    Dat woore noch Zeite



    Bild oben:
    an der Wand von vorne nach hinten: Hermann Jonas, ihm gegenüber Josef Schlich, Klemens Stein, Josef Schmitt, Alfred Schäfer, Josef Ley, Edmund Schmitz, Stefan Bouhs



    Bild oben:
    in der 2. Reihe ganz links: Dechant Michael Schneider

      

    Bilder oben:
    links: von rechts nach links: Alfons Schlich, Theo Schlich, Erwin Schäfer und Josef Schlich
    mitte: Schlichs Ann, die Schwester von Wilhelm Schlich
    rechts: Johann Bouhs Martin Lassau, do Böschmann

     

    Bilder oben:
    links: Die feschen Burschen auf der linken Seite von links nach rechts: Alfons Schlich, ein Unbekannter, Herbert Hänzgen, Erich Bungarten, Alois Kreucher, Josef Schomisch, und Rudolf Schlich
    rechts: Die Geschwister von Rudolf Schlich; von links: Josef, Rudolf, Edeltrud, Alfons, Hermann, Christel

     

    Bilder oben:
    Motorräder früher und heute




    Bild oben:
    zu lange geparkt


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    Mach mit, Sing mit

    Der Kirchenchor aus Wanderath hat über Jahrzehnte die Menschen mit ihrer Musik erfreut, wie hier im Altenheim. Es wäre sehr schade, wenn es dieses kulturelle Angebot in der nahen Zukunft nicht mehr geben würde. Es werden nicht nur Kirchenlieder gesungen und außerdem ist der Chor eine lustige Truppe.

    (Anmerkung Peter Gerhards)
    Sprich und Du bist mein Mitmensch! Singe, und wir sind Brüder und Schwestern















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    Die Sütterlinschriften

    Die Sütterlinschriften, meist auch einfach Sütterlin genannt, sind zwei 1911 im Auftrag des preußischen Kultur- und Schulministeriums von Ludwig Sütterlin entwickelte Ausgangsschriften. Neben der bekannteren deutschen Sütterlinschrift, die eine spezielle Form der deutschen Kurrentschrift ist, entwickelte Ludwig Sütterlin auch eine weniger bekannte, stilistisch vergleichbare lateinische Sütterlinschrift.
    Wegen der großen Bekanntheit des Namens Sütterlin wird bisweilen jede Form der deutschen Kurrentschrift irrtümlich als Sütterlin(schrift) bezeichnet. Diese Bezeichnung ist aber unzutreffend, da die deutsche Kurrentschrift schon lange vor der Geburt Ludwig Sütterlins existierte.
    Quelle: Wikipedia



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    Die Feldarbeit früher

     

     

     

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    Was noch so geschah

  • Wenn die Steaks duften: Meister Reinecke Stammgast beim Grillfest
  • Die kleine Anita kam schon in Deutschland zur Welt: Bundespräsident ist Pate des Kindes

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    Wir gratulieren



    Taufen:
    Wagner, Oliver, Tulpenweg 19,
    Wanderath, geb. am 05.05.2007



    Hochzeiten:
    Wagner, Gerhard u. Kur, Monika Malgorzata,
    Tulpenweg 19, Wanderath

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    Ein stiller Gruß

    Sterbefälle:
    1. Weitzel, Ernst-Erich, Wanderath, geb. am 10.08.1931
    2. Kubiak, Josef Michael, Wanderath, geb. am 10.10.1941
    3. Doll, Erich Michael, Baar, geb. am 24.04.1922
    4. Linnerz, Karl Heinz, Niederbaar, geb. am 10.06.1958
    5. Retterath, Hans Günter, Niederbaar, geb. am 02.01.1939
    6. Doll, geb. Wagner, Anna, Oberbaar, geb. am 23.09.1922



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